Entwicklung einer E-Learning Strategie

1. Juni 2021 6 Minuten Lesezeit E-LearningTipps & Tricks

Julia Kammermeier
Learning Consultant &
Projektleiterin E-Learning

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen

  • Wie Sie eine make or buy Entscheidung bei der Content-Auswahl fällen
  • Worauf es bei einem guten didaktischen Lern-Konzept ankommt
  • Welche Rolle Lernkultur und Akzeptanz für eine nachhaltige E-Learning Strategie spielen

Mehr Substanz im E-Learning

Immer mehr Unternehmen setzen auf E-Learning bzw. Blended Learning Konzepte. Doch die Digitalisierung von Lerninhalten lässt sich nicht einfach nebenher stemmen, sondern bedarf einer guten Planung und einer klar definierten E-Learning Strategie. Nur dann werden die Bemühungen nachhaltig von Erfolg gekrönt sein.

Zwar kann der Einstieg ins digitale Lernen durchaus pragmatisch stattfinden, aber immer gepaart mit einem fundierten Konzept und mit Sinn und Verstand. Das heisst, dass neben den konkreten Bildungsprojekten insbesondere die passende Bildungsstrategie entscheidend ist, um digitales Lernen im Unternehmen fest zu verankern und Akzeptanz zu schaffen. Eine E-Learning Strategie besteht i.d.R. aus fünf Bausteinen, auf die wir in diesem Artikel eingehen.

Die 5 Bausteine einer E-Learning Strategie

1. Content-Strategie: make or buy?

Eine wichtige Frage, die Sie sich zu Beginn Ihres E-Learning Projektes stellen werden, lautet: Woher kommt der Content? Bei der Entwicklung einer Content-Strategie beantworten Sie genau diese Frage. Im Kern geht es darum, sich je nach Lernvorhaben, internen Ressourcen und Know-how sinnvoll zwischen Eigenproduktion und externer Produktion durch einen Dienstleister zu entscheiden. Ausserdem gilt es je nach Fall, Beschaffungs- und Produktionsprozesse zu definieren und passende Tools auszuwählen.

Bei der make or buy Entscheidung gibt es grundsätzlich drei Optionen, die sich natürlich auch kombinieren lassen: Lerninhalte in-house produzieren, bereits vorproduzierten Standard-Content extern einkaufen oder individuellen Content extern einkaufen. Generell empfehlen wir eine diversifizierte Content-Strategie, d.h. je nach Bedarf die Optionen sinnvoll zu nutzen.

Also gilt es im ersten Schritt zu definieren, wann man sich für welchen der drei Wege entscheidet. Dabei spielen verschiedene Fragen eine Rolle, wie zum Beispiel: Passt Standard-Content zum Anspruch und zur Kultur des Unternehmens? Sind ausreichend Ressourcen, Kompetenzen und Kapazitäten vorhanden, um den Content selbst zu erstellen? Steht das Projekt unter Zeitdruck? Gibt es geeigneten Content auf dem Markt? Unser make or buy Entscheidungsbaum greift diese und weitere wichtige Fragen auf und hilft Ihnen dabei, eine make or buy Entscheidung zu treffen. Hier können Sie sich den Entscheidungsbaum als PDF herunterladen:

Entscheidungsbaum öffnen

Entscheiden Sie sich dafür Ihre Inhalte in-house zu produzieren, sorgen klar definierte Prozesse und die richtigen Tools zur Produktion von Lerninhalten für ein möglichst effizientes Arbeiten, insbesondere an der Schnittstelle zu den Fachabteilungen. Es ist essenziell, dass es ein klar definiertes Projektteam mit dem nötigen Know-how und ausreichend zeitlichen Ressourcen gibt. Wer eine langfristige in-house Produktion anstrebt, wird dafür Sorge tragen müssen, dass immer aktuelle und umfassende Trainings auch zu neuen Schulungsthemen bereitstehen. Da die Bedarfe in der immer kurzlebigeren Zeit auch in den Fachabteilungen kontinuierlich wachsen, ist es wichtig auch Fachexperten und -expertinnen einfache Tools für die Produktion von Lerninhalten zur Verfügung zu stellen und ihnen ggf. das nötige Know-how zu vermitteln (Stichwort User-generated Content). Nur so wird eine effiziente und nachhaltige E-Learning in-house Produktion gelingen.

2. Didaktische Lern-Konzepte: Für langfristigen Lernerfolg

Der zweite wichtige Baustein bei der Entwicklung der E-Learning Strategie ist das didaktische Konzept. Denn damit digitales Lernen wirkt und die Inhalte bei den Lernenden nachhaltig verankert werden, ist eine didaktisch sinnvolle Lernformat-Auswahl essenziell. Dabei ist es im ersten Schritt hilfreich, die verschiedenen Lernformate einander gegenüberzustellen und für den eigenen Anwendungsfall zu bewerten. Wir haben dafür Lernformat-Steckbriefe entwickelt, in denen wir die Vorteile, Nachteile und Einsatzzwecke der einzelnen Formate – wie z.B. interaktive Erklärfilme, WBTs, Webinare oder Podcasts – vorstellen. Sie möchten selbst mit den Steckbriefen arbeiten? Hier können Sie die 16 Lernformat-Steckbriefe anfordern.

Bei der Auswahl geeigneter Lernformate hilft auch das sogenannte Modell des Wissenserwerbs.

Dieses Modell beginnt mit der Phase der Akzeptanzschaffung über die Akquisition von Wissen, die Anwendung und Reflexion bis hin zum Wissenstransfer. Im nächsten Schritt werden diese Phasen um unterschiedliche Themenbereiche ergänzt, sodass sich aus dem Modell des Wissenserwerbs und den Themenbereichen eine Matrix ergibt. Diese Themen-Modul-Matrix dient als Grundschema, um didaktisch sinnvolle Lernformate auszuwählen.

Dies dient als grober Überblick über didaktische Konzepte. In unserem Blogartikel E-Learning Didaktik gehen wir näher darauf ein, wie Sie Lerninhalte in didaktisch sinnvolle Trainings verwandeln – von der Definition von Lernzielen über die Erstellung des Drehbuchs bis hin zum fertigen Training.

3. E-Learning Distribution: So kommen die Lerninhalte bei den Zielgruppen an

Die Inhalte stehen, jetzt müssen sie noch bei den Zielgruppen ankommen. Das gängigste Tool zur Distribution von Lerninhalten ist ein Learning Management System (LMS). Wer sich auf die Suche nach einem LMS begibt wird schnell ernüchternd feststellen: Die Auswahl auf dem Markt ist gigantisch. Also wie findet man das passende System? Auch hier sollte man strategisch herangehen und sich vorab einige grundlegende Fragen stellen: Wie werden die Lerninhalte strukturiert? Welche Reportings werden benötigt? Soll das LMS on premise (Betrieb auf eigenen Servern) oder via Cloud genutzt werden? Welches Lizenzmodell ist sinnvoll? Dies sind nur ein paar Fragen, die bei der Auswahl eines geeigneten LMS berücksichtigt werden sollten. Im Artikel Tipps für die Auswahl des passenden LMS erfahren Sie mehr zu diesem Thema.

4. Akzeptanz-Management: Lernen fängt mit Motivation an

Und last but not least gilt es, den Zielgruppen E-Learning schmackhaft zu machen. Nur mit einem guten Akzeptanz-Management gelingt es, die Lernenden für E-Learning zu begeistern und letztendlich die Ziele des Bildungsprojekts zu erreichen. Beim Akzeptanz-Management kommt es auf drei wesentliche Punkte an: Die Organisation, die Kommunikation und die Lerninhalte an sich.

Auf die Lerninhalte und deren didaktisch sinnvolle Aufbereitung sowie die Organisation sind wir bereits eingegangen. Den dritten Aspekt, die Kommunikation der geplanten Massnahmen, sollte man jedoch nicht vernachlässigen. Um Akzeptanz für digitales Lernen zu schaffen, ist es wichtig, dies entsprechend zu vermarkten – also für die Lerninhalte die Werbetrommel zu rühren, insbesondere deren Nutzen zu erläutern und den Lernenden einen Feedbackkanal anzubieten. Nur so kann aus dem „Lernen müssen“ ein „Lernen wollen“ werden. Weitere hilfreiche Tipps, wie Ihnen das gelingt, lesen Sie in unserem Artikel E-Learning Akzeptanz.

5. Erfolgsfaktor Lernkultur

All diese Aspekte bilden den Nährboden für digitales Lernen. Richtig fruchten kann digitales Lernen aber nur dann, wenn es im Unternehmen auf eine passende Lernkultur trifft. Das heisst, dass E-Learning in der Unternehmensstrategie fest verankert sein muss. Führungskräfte, Betriebsräte, Regional- und Bereichsverantwortliche sollten frühzeitig miteinbezogen werden, um ihr Commitment einzuholen.

Ausserdem sollte den Mitarbeitenden ausreichend Lernzeit innerhalb ihrer Arbeitszeit zur Verfügung stehen – das trägt besonders zur Akzeptanz bei. Mitarbeitende sollten aktiv einbezogen werden und Möglichkeiten haben, ihr Wissen mit anderen im Unternehmen zu teilen.

Und schliesslich sollte Weiterbildung auch im Zielsystem des Unternehmens verankert sein, zum Beispiel in Form von Team- und Individualzielen.

Case Study: Der Einstieg von Emmi ins E-Learning

Diese fünf Bausteine bilden das Grundgerüst für eine nachhaltige E-Learning Strategie. Wie die Entwicklung einer E-Learning Strategie in der Praxis aussehen kann, lesen Sie in unserer Case Study mit Emmi. Ziel von Emmi war es, Lerninhalte künftig in-house produzieren zu können – dafür griff der Lebensmittelkonzern auf die Strategieberatung von youknow zurück. In der Case Study erfahren Sie, wie wir an das Projekt herangegangen sind und wie Emmi nun mit klar definierten Prozessen Content effizient eigenständig produziert.

Emmi Case Study

Webinar-Aufzeichnung: Mehr Substanz im E-Learning

Sie möchten mehr zum Thema erfahren? In unserem Webinar „Mehr Substanz im E-Learning“ geben wir Ihnen praxisnahe Methoden an die Hand, mit Hilfe derer Sie eine nachhaltige E-Learning Strategie entwickeln können. Luca Meyer, Blended Learning Specialist bei Viessmann, ergänzt das Webinar mit spannenden Einblicken in die Praxis.

Zur Webinar-Aufzeichnung

Wir sind für Sie da!

"Sie möchten ins digitale Lernen einsteigen oder bestehende Prozesse optimieren? Dann sichern Sie sich jetzt einen Beratungstermin. In der kostenlosen Erstberatung führen wir eine Status Quo Analyse mit Ihnen durch und leiten daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab."
Andreas Schatz, Key Account Manager

Kontakt aufnehmen

Diese 3 Artikel werden Sie auch interessieren